Mythos Jahresendrally, was ist dran?

Mythos Jahresendrally, was ist dran?

Börsenweisheiten sind beliebt. Ein Grund dafür mag sein, dass die komplexen Finanzmärkte so etwas einfacher zu sein scheinen. Aber sollten sich Anleger daran orientieren?

An der Börse gibt es viele Weisheiten. „Sell in may and go away, but remember to come back in september“ oder der „January-Effect“, der besagt, dass das komplette Börsenjahr so verläuft wie der Januar. Eine weitere Weisheit ist die Jahresendrally oder auch Santa-Claus-Rally genannt. Diese beschreibt ein Phänomen, bei dem Aktienkurse zum Ende eines Jahres steigen sollen.

Verrücktes Börsenjahr 2020

Das Börsenjahr 2020 war aufgrund der Pandemie in vielerlei Hinsicht sehr außergewöhnlich. Anfang des Jahres hat noch niemand damit gerechnet und beginnend im Frühjahr sind dann auch die Kurse an der Börse nahezu eingestürzt. Womit man anschließend auch nicht gerechnet hat, war die rasche Erholung. Ein ähnliches Muster war zu Beginn der zweiten Corona-Welle zu vernehmen. 2020 verlief an der Börse ganz anders als 2019. Letztes Jahr waren viele saisonale Muster bei der Börsenentwicklung zu erkennen.

Jahresendrally beim Dax, eine „durchschnittlich“ recht zuverlässige Konstellation

Bei der Betrachtungsweise der Jahresendrally gibt es mehrere Herangehensweisen. Hierbei kann man von dem letzten Quartal eines Jahres sprechen, manche wiederum vom Zeitraum November bis Ende Dezember, manch einer betrachtet nur den Dezember und nicht selten werden sich nur die letzten 5 Tage eines Jahres angeschaut.

In unseren Analysen haben wir nur den Monat Dezember eines Jahres genommen und uns rückwirkend die Ergebnisse bis 1990 angeschaut. In den letzten 30 Jahren stehen im Dezember 21 Monate mit positiver Entwicklung und 9 Monate mit negativer Entwicklung gegenüber. Demnach geht die Theorie im Durchschnitt auf. Wir raten jedoch davon ab, sich rein auf Durchschnittskurse zu verlassen. In den Jahren 2002, 2015 & 2018 musste der DAX im letzten Monat deutliche Verluste hinnehmen. Wenn man einen Fuß in kochend heißes Wasser stellt und den anderen Fuß in eisiges kaltes Wasser, würde man auch nicht behaupten, dass es durchschnittlich warm sei.

Mythos Jahresendrally, was ist dran?
Dax-Entwicklung in den Jahren von 2019 bis 1990 zurückblickend

Ist es sinnvoll nach Börsenweisheiten zu investieren?

Ist es sinnvoll, sich an die Börsenweisheiten zu halten und danach zu investieren und sich an die Muster zu halten – im Mai raus und im September wieder rein oder die Jahresendrally mitnehmen? Eine Analyse, die sich auf die Kursentwicklung der letzten 40 Jahre bezieht, kommt zu dem Ergebnis, dass saisonale Muster nicht mehr funktionieren.


Ganz stark vereinfacht und verkürzt zusammengefasst, waren Anleger meist gut beraten, sich an der Mai/September Weisheit oder der Jahresendrally zu orientieren. Die Betonung liegt jedoch ganz ausdrücklich auf „waren“, denn die saisonalen Muster funktionierten zuletzt immer weniger. Der Grund dafür ist die „Informationseffizienz“. Dieser etwas sperrige Begriff bedeutet, dass die für die Kursentwicklung relevanten Informationen heutzutage einer immer größer werdenden Zahl von Anlegern bekannt ist. Dank dem Internet verbreiten sich Nachrichten um den Globus immer schneller.

Irgendwann kehrt sich der Trend um

Stellen Sie sich vor, alle Anleger würden die Marktinformationen ausblenden und einfach nach den Börsenweisheiten investieren und beispielsweise im September auf Einkaufstour gehen, wohl wissend, dass die kommenden Monate sehr ertragreich werden. Jeder zusätzliche weitere Käufer treibt somit den Kurs nach oben, der schlussendlich nichts anderes als das Ergebnis von Angebot und Nachfrage abbildet. Umgekehrt wird es also zunehmend interessanter, genau das Gegenteil zu tun – spricht verkaufen und Gewinne mitzunehmen. Der September-Effekt würde verpuffen oder kehrt sich sogar um. So könnte es dann bald heißen „Sell in September“ und so weiter. Das Gedankenspiel lässt sich endlos fortsetzen.

Fazit

Niemand kann seriös die Frage nach der Jahresendrally für 2020 beantworten. Die verschiedenen Einflussfaktoren und Unwägbarkeiten mit Corona, USA-Nachwahlirritationen und dem Brexit scheinen viel zu groß. Dazu gibt es auch noch das große Unbekannte, was die Aktienmärkte unkalkulierbar macht.

Wir raten davon ab, sich an diesen Börsenweisheiten zu orientieren. Verabschieden Sie sich von diesen Gedanken und auch von der Renditebetrachtung pro Jahr. Es geht nicht an den Börsen um die Weisheiten oder die Renditebetrachtung eines kurzfristigen Zeitraums. Was ist schließlich am 1. Januar anders, als am 31. Dezember außer das Kalenderjahr? Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten haben sich jedenfalls über Nacht nicht geändert.

Bei einem langfristig orientierten und seriösen Anleger spielt der richtige Einstiegszeitraum kaum eine Rolle.

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